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Sampdoria Genua - A. S. Livorno  2:0 (1:0)

  am 02.05.2010, Stadio Luigi Ferraris, Italien, Serie A, 25.076 Zuschauer  


„Morgenstund hat Gold im Mund“ hieß es dann am Sonntag, denn schlafen können wir zuhause immer noch. Die teilweise kurvenreichen und dadurch sehr spaßigen 140 Kilometer in die Hafenstadt wurden problemlos bewältigt und pünktlich um 10 Uhr begrüßte uns Dani vom Irish Clan in der Nähe vom Stadion mit köstlichen „Focaccia“. Dann ging es erstmal zum Klub der Jungs, wo man das ein oder andere Bier genoss und wir einiges von den Problemen der italienischen Szene aus erster Hand erfahren durften. Klarerweise bot auch das letzte Derby della laterna einiges an Gesprächsstoff. Konnte doch Samp den fulminanten Erfolgslauf auch im Derby fortsetzen. Auch auf den Straßen kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Genoani die später in längeren Riots mit den Carabinieri endeten. Für die Doriani wirkten die Riots als ob sie bewusst von der Polizei eingefädelt wurden, da man seitens der Cops alles unternahm um ein Aufeinandertreffen zu ermöglichen. Die davor auf den Häuserdächern positionierten Polizeifotografen passten dafür ebenso perfekt ins Bild. Fünf für die Kurve wichtige Personen aus verschiedenen Generationen wurden am Tag nach dem Spiel verhaftet und sahen zum Teil ihre Gesichter medienwirksam auf den Titelseiten der Gazetten wieder. Doch diese Geschichten genauer zu erläutern würde den Rahmen dieses Berichts deutlich sprengen.
Nachdem die Zeit wie im Flug verging, machten wir uns gemeinsam auf nach Marassi und verlagerten die Gespräche in die umliegenden Gassen hinter der Sud, die für die Blucerchiata vor den Spielen als Treffpunkt dienen. Vor den belebten Bars wurde mitgebrachtes Bier (vor den Spielen dürfen die Bars keinen Alkohol ausschenken) getrunken und einer nach dem anderen parkte seine Vespa in den noch freien Lücken am abgesperrten Fahrbahnrand. Da die Begegnung mit Livorno die bisher Dritte war, bei dem nicht nur Trommeln, Megaphone und Fetzen verboten waren - sondern auch Fahnen - gab es in der Kurve keinerlei Vorbereitungen. Nachdem auch bereits bekannt war, dass keine Ultras des Fixabsteigers nach Genua kommen, konnten alle Sampdoriani entspannt die Sonne genießen und Party machen. Natürlich wäre es vielen lieber gewesen, wenn sie im Stadion alles für den Tifo vorbereiten dürften. Die Gruppen der Süd bleiben ihrer Linie dennoch treu und werden nicht um Erlaubnis fragen ob sie ihre Leidenschaft auch optisch zum Ausdruck bringen dürfen und setzen weiterhin klare Zeichen gegen die immer schlimmer werdenden Maßnahmen gegen Ultras. Da die „Tessera del tifoso“ bei Sampdoria bereits beschlossene Sache ist und für die Fans unglaubliche Einschränkungen bedeuten würde, welche selbst mit Grundrechten eines jeden italienischen Bürgers nicht im Einklang stehen, werden ALLE Gruppen der Süd ihre Abos für die nächste Saison nicht verlängern. Manche von ihnen werden nach über 40 Jahren erstmals nicht auf dieser Tribüne stehen! Die organisierte Szene wird versuchen Tageskarten auf den anderen Tribünen für jedes Spiel einzeln zu kaufen, da dort keine Fancard notwendig ist. Wo ein Wille ist, dort findet sich sicher auch ein Weg. Aber natürlich weiß man bei Sampdoria, dass die Saison 2010/11 die bisher schwerste ihrer Fangeschichte werden wird.
Auch der Verkaufstand der UTC durfte heute nicht im Stadion aufgebaut werden. Diese Hürde wurde einfach dadurch umgangen, dass dieser auf der Straße vor dem Stadion hergerichtet wurde und die T-Shirts gegen die Fancard eben dort verkauft wurden. Die Biervorräte neigten sich langsam dem Ende zu und so verabschiedeten wir uns von den Jungs des Irish Clans, um zu unseren Plätzen auf der Gegengerade zu kommen. Die Heimkurve war durch die vorherrschende Euphorie zum bersten voll. Der derzeitige Erfolgslauf und die dadurch mögliche Qualifikation zur CL lockten noch mal alle aus ihren Löchern. Für das alles entscheidende Spiel in Palermo, welches eine Woche nach diesem Spiel stattfand waren zu dem Zeitpunkt bereits 2.000 Karten für den Auswärtssektor abgesetzt (Leider sollte der isländische Vulkan dem einen oder anderen Gloryhunter noch in die Quere kommen).
Sowohl Kurve als auch Mannschaft starteten von Beginn weg in einer atemberaubenden Intensität ins Spiel. Trotz aller Reglementierungen die diese Szene erdulden muss, war es faszinierend mit welcher Leidenschaft und Lautstärke die Heimkurve loslegte. Die Jungs auf der Gradinata bewiesen auf eine eindrucksvolle Art und Weise, dass man ihre Emotion und ihre Begeisterung für ihre Farben mit keiner Schikane der Welt stoppen kann. Genau das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass man bei Sampdoria derart überzeugt die eigenen Ideale verfolgt, ohne Sklave von Polizei und Behörden zu werden. Die große Geschichte dieser Kurve manifestiert sich nicht zuletzt an der Konsequenz in ihrem Handeln. Deshalb bleibt man auch in dieser schweren Zeit dem eigenen Weg treu, im besten Wissen, dass es dadurch im schlimmsten Fall auch zum Ende dieser großen farbenfrohen Geschichte kommen kann.
Der A.S. Livorno sollte an diesem Nachmittag kein Stolperstein am Weg in die Champions League (klarer 2:0 Sieg) sein und so wurde eine groß aufspielende Sampdoria bis lange nach Schlußpfiff gefeiert. Auch für den Verbleib von Pazzini wurde das ein oder andere Lied gesungen, hatte dieser doch einen großen Anteil an den Erfolgen dieser Saison, was ihn für viele Klubs zum Objekt der Begierde macht.
Für uns hieß es nach Schlusspfiff endgültig Abschied nehmen, um etwa nach neun Stunden im dichten Regen wieder im schönen Wien zu sein. Man sieht sich wieder.
No alla Tessera del tifoso!


































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