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Flamengo - Cruzeiro Esporte Clube  1:2 (1:0)

  am 20.08.2009, Maracanã, Brasilien, Campeonato Brasilieiro Serie A, 12.273 Zuschauer  


Der kommende Tag stand erstmal im Zeichen einer ausgiebigen Sightseeing Tour. Mit unserem Guide und ein paar anderen wechselnden Touristen gings zum Zuckerhut, in die Innenstadt, zum Sambodrom und zur Kathedrale. Natürlich durfte auch der Corcovado mit der legendären Christusstatue nicht fehlen, von wo aus man außer dem atemberaubenden Blick über die Strände der Millionenmetropole auch das mächtige Maracanã Stadion erblicken konnte. Etwas später lag auch eine Besichtigung des Grounds auf unserer Reiseroute, welche aber ob des Spiels am Abend nur von außen erfolgen konnte.
Um das Stadion, welches für die WM 1950 erbaut wurde, ranken sich viele Legenden. Ursprünglich auf Estadio Municipal getauft, bekam es erst 1966 den weniger bekannten offiziellen Namen „Mário Filho“, einem Sportjournalisten, der sich seinerzeit sehr für den Bau des Stadions eingesetzt hatte.
Es ist also eher der Legende zuzuschreiben, dass die Bevölkerung nach der Niederlage gegen Uruguay dem Stadion seinen weltberühmten Namen gab. Genauso unbestätigt ist das Gerücht, dass hier schon mehr als 220.000 Menschen einem Fußballspiel beiwohnten. Allerdings sind auch die offiziell bestätigten 183.341 ein Weltrekord. Mittlerweile wurde das Stadion, das zum Teil immer wieder als baufällig bezeichnet wurde, aber mehrmals repariert. 2007 wurden alle Plätze erneuert, sodass zum derzeitigen Stand 96.000 Besucher einen Sitzplatz finden. Im Maracanã tragen sowohl Flamengo als auch Fluminense ihre Heimspiele aus – bei manchen Derbies dient es auch Botafogo als Heimat. Auch bei der WM 2014 und den olympischen Spielen 2016 spielt das Stadion eine entscheidende Rolle.
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Hostel brachen wir abends wieder in Richtung des Stadions auf. Ein Match im Maracanã wollte sich auch meine Freundin nicht entgehen lassen. Um Zeit zu sparen, buchten wir auch diese Tour kurzer Hand bei unserem Guide Andre. Für umgerechnet rund 50 Euro waren sowohl der Transfer als auch die Tickets inkludiert. Und nach der für Brasilien durchaus üblichen Wartezeit von rund einer Stunde ging es im überfüllten Kleinbus im Höllentempo quer durch die Stadt zum Stadion. Da auch recht anständig gemixte Caipirinhas aus dem Plastikkanister inkludiert waren, war uns und den anderen Passagieren die halsbrecherische Fahrweise unseres Busfahrers bald ziemlich egal. Wie durch ein Wunder schafften wir es rechtzeitig zum Stadion, und nachdem Andre irgendwelche Freikarten vorbeigebracht hatte, ging es für alle rein ins mächtige Rund.
Vielleicht kann man sich besser vorstellen, von welchen Ausmaßen ich spreche, wenn man sich vor Augen führt, dass hier doppelt so viele Leute Platz haben wie im Ernst Happel Stadion in Wien – und das auf zwei Rängen statt auf drei. Natürlich sprechen wir von einem voll überdachten All-Seater, dessen Größe es nahezu unmöglich macht, zu schätzen, wie viele Leute an diesem Abend zugegen waren. So hätte ich zumindest 20-25.000 geschätzt, musste mich aber eines besseren belehren lassen. Es waren nämlich nur etwa halb so viele Menschen anwesend. Dieser Besuch war umso mehr enttäuschend, als „Fla“ ja um den Meister mitspielte (und letztendlich auch Meister wurde). Immerhin fanden sich am Oberrang einige Tausend echte Supporter ein, die für 90 Minuten so richtig Gas gaben. Fahnen, Trommeln und auch eine Sambaband sorgten für die typisch südamerikanische Stimmung. Unterstützt wurde der akustisch gelungene Auftritt durch ein fast 100 Meter langes Spruchband, welches die Verbundenheit mit Klub und Mannschaft zum Ausdruck brachte. Dazu gab es über das gesamte Stadion verteilt kleinere Fangruppen, die auch mittels Zaunfahne Präsenz zeigten. Die rund 500 Auswärtsfans aus Belo Horizonte hatten sich schräg gegenüber am Unterrang postiert und präsentierten dort in den ersten Minuten ein fettes Spruchband in den Vereinsfarben dunkelblau, hellblau und weiß mit dem Aufdruck „Mafia“. Lautstärketechnisch konnte man natürlich nicht mit der Kurve von Fla mithalten, aber wenn man die Distanzen in Brasilien bedenkt, so war dies ein durchaus respektabler Auftritt. Fla dominierte die erste Halbzeit und ging nach einem sehenswert vorgetragenen Angriff durch einen Kopfball von Emerson in Minute 37 in Führung. Das Tor wurde mit reichlich Pyrotechnik und etlichen „Blinkern“, die scheinbar elektronisch animiert waren, ausgelassen gefeiert. Die Anzeigentafeln zeigten „Goooool“ und das Stadion stand sprichwörtlich Kopf.
In der Halbzeitpause ging ich mit Anna auf eine Stadionrunde und auf Fototour. Außer dem mit Seilen und ein paar Polizisten gesicherten Auswärtsblock waren uns dabei keinerlei Grenzen gesetzt. Zudem gab es, entgegen unserer vorherigen Bedenken, hier keine Situation, in der wir uns in irgendeiner Form unsicher fühlten. Zu sicher war sich aber scheinbar Flamengo, und nach dem raschen Ausgleich in Halbzeit zwei setzte es nach einem haarsträubenden Abwehrfehler auch noch das 1:2. Der Jubel war jetzt natürlich unter den 500 Fans von Cruzeiro grenzenlos. Wieder präsentierte man das „Mafia“ - Tuch und feierte den sich abzeichnenden Auswärtserfolg mit sehenswerten Hüpfeinlagen. Da „Fla“ jetzt nicht mehr zulegen konnte, feierten die Gäste einen ob der zweiten Halbzeit nicht unverdienten, aber doch überraschenden, Auswärtserfolg.
Für uns ging es wieder mit der großteils englischen Reisegruppe zurück in unser Domizil an der Copacabana. Für die nächsten zweieinhalb Wochen gab keinen Fußball mehr entlang unserer Route – unter anderem deshalb, weil man sich in Cuiaba kurzerhand entschloss, das Drittligaderby Mixto Esporte gegen Cuiaba MT nicht am Montag sondern erst am Mittwoch zu spielen. Das bis dahin Erlebte, und die vielen Erlebnisse in der teilweise unberührten Natur Brasiliens während der nächsten Tage sorgten aber für mehr als nur eine Entschädigung. Da konnte ich es auch – wenn auch schweren Herzens – ertragen, die Spiele der großen Rapidmannschaft gegen Aston Villa zu verpassen. Einen Trip in dieses tolle Land samt seiner freundlichen Bevölkerung kann ich nur jedem ans Herz legen. Und zwar nicht nur den Fußballverrückten, die hier natürlich auch keinesfalls zu kurz kommen. Vielleicht sieht mich Brasilen ja schon bald wieder – immerhin ist es 2014 Gastgeber der Weltmeisterschaft.
































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