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Botafogo PB - Esporte Clube Santo Andre  1:2 (1:2)

  am 19.08.2009, Engenhão, Brasilien, Campeonato Brasilieiro Serie A, 6.524 Zuschauer  


Schon seit einiger Zeit stand es für meine Freundin Anna und mich auf dem Plan, unsere Freunde in Brasilien zu besuchen und diesen Besuch auch gleich mit einem ausgiebigen Urlaub samt Rundreise quer durch dieses faszinierende Land zu verbinden. Aufgrund terminlicher und finanzieller Zwänge kam nur der Zeitraum ab Mitte August in Frage und nach einigem Hin und Her wurden auch passende Flüge gefunden. Hostels und Transfers zu buchen gestaltete sich dank der Hilfe von „vor Ort“ als relativ einfach, und nachdem die Rahmenbedingungen geklärt waren, machte ich mich daran, auch das eine oder andere Fußballspiel entlang unserer Reiseroute auszumachen. Eine – für mich – völlig neue Herangehensweise: Im Normafall werden zuerst die Spiele gesichtet und der „Rest“ dann an diese angepasst.Immerhin taten sich gleich an den ersten beiden Tagen unseres Aufenthaltes zwei Erstligaspiele in Rio auf, was dem „Klima“ für die folgenden drei Wochen in zweierlei Hinsicht gut tat: Anna hatte den Fußball „hinter sich“ und ich musste mir keine Gedanken machen, nach drei Wochen Brasilien womöglich ohne Länderpunkt nach Österreich zurückzukehren. Die Anreise von Wien über London und Sao Paulo nach Rio de Janeiro gestaltete sich unproblematisch, aber wegen der Länge von insgesamt über 30 Stunden doch relativ anstrengend. Nachdem man das einfache aber günstige Refugium an der Copacabana bezogen hatte, suchte man noch erfolgreich nach einem Guide für den Folgetag und nach einem köstlichen Mal in einem „Kilo-Restaurant“ zog sich meine Freundin für ein paar Stunden ins Zimmer zurück, während ich mich mit einer Dose Bier bewaffnete und mittels U-Bahn und „Vororteline“ müde, aber voller Erwartung, in Richtung meines ersten Grounds am (süd)amerikanischen Kontinent aufmachte.
Eine knappe halbe Stunde mit der U-Bahn und eine weitere halbe Stunde in einer überfüllten Schnellbahn, in der ich meiner Einschätzung nach der einzige Ausländer war, später kam ich bei der zu Hause „ausgeforschten“ Station an. Zu meiner Überraschung stiegen dort nur einige Dutzend Fahrgäste aus, und nach einem kaum beleuchteten Abgang von der Bahnüberführung sah man das Stadion. Dieses war allerdings nur mit einer Art Notbeleuchtung illuminiert, was mich sehr verwunderte, da hier in rund 75 Minuten ein Erstligaspiel steigen sollte. Die Nähe zu zwei Favelas und ein paar zwielichtige Gestalten am Straßenrand sorgten auch nicht gerade dafür, dass ich mich wohler fühlte. Immerhin standen nach der nächsten Ecke ein paar Bullen mit Maschinenpistolen und etwa einen Meter langen Schlagstöcken aus Holz. Dieser Anblick führte – so blöd das klingen mag – zu einiger Erleichterung meinerseits – es wurde scheinbar doch gespielt an diesem Abend. Bei einem fliegenden Händler wurde erstmal ein Mutbier gekauft und nach einer weiteren Ecke kam ich dann auf einen Platz vorm Stadion, auf dem immerhin einige hundert Menschen mit Fahnen und sonstigen Utensilien auf das Match warteten. Auch einige Kioske und weitere fliegende Händler gab es dort, bei denen man Getränke und kleine Snacks vom Grill erwerben konnte. Noch eine Runde ums Stadion gedreht, noch eine Dose Cerveza und dann für rund acht Euro rein in die Hütte auf die Tribüne hinterm Tor.
Das Stadion selbst wurde erst 2007 für die Panamerikanischen Spiele fertig gestellt und wird 2016 unter anderem die Leichtathletikbewerbe der Olympischen Spiele in Rio beherbergen. Benannt ist es nach João Havelange, dem ehemaligen Präsidenten der FIFA.
In Rio selbst, in Zeitungen und im Fernsehen ist aber eher der Name Engenhão gebräuchlich, der auf das gleichnamige Stadtviertel zurückgeht. Die Anlage steht zwar nicht in der besten Gegend von Rio, besticht aber sowohl durch die moderne Architektur als auch durch die Funktionalität. Unter einer geschwungenen Dachkonstruktion mit einer ausladenden und imposanten Aufhängung aus dicken weißen Stahlseilen erheben sich an den beiden Längsseiten jeweils zwei Ränge, während sich hinter den beiden Toren nur je ein sehr flacher Rang befindet. Ein Umstand, der zwar spektakulär anmutet, welcher aber bis 2016 Geschichte sein wird, um das Fassungsvermögen von derzeit knapp 47.000 auf rund 60.000 Sitzplätze zu erhöhen. Die Bestuhlung ist dabei ebenso in hellblau gehalten wie die Laufbahn, die gemeinsam mit einem relativ breiten Rasenband dafür sorgt, dass sich das Spielfeld leider ziemlich weit entfernt von den Zuschauerrängen befindet.
Da sich sowohl Botafogo als auch die Santo Andre in der Tabelle eher in den unteren Regionen der landesweiten Liga aufhielten, fanden an diesem lauen „Winterabend“ auch nur sechseinhalb Tausend Besucher den Weg ins weite Rund. Rund 25 Mann aus Sao Paulo drückten den Mannen der Gästemannschaft hinter drei überdimensionierten Zaunfahnen die Daumen, fielen aber sonst nicht weiter auf. „Fogo“ hingegen versammelte einen Gutteil der gesamten Besucherschar hinter den an den Längsseite positionierten Stoffen. Außer dem Hauptbanner im Unterrang kamen auch recht kreativ bemalte Tücher zum Einsatz, die man vom Oberrang in die Fangruppe hängen ließ. einige große Schwenkfahnen rundeten das Gesamtbild ab, welches trotz des durchaus gelungenen Auftritts in Intensität und Lautstärke ob des großen Stadions leider etwas verloren wirkte. Die rasche 2:0 Führung der Gäste nach vier, bzw. 15 Minuten sorgte auch nicht gerade für besonders ausgelassene Stimmung im Heimblock. Immerhin wurde es knapp vor der Pause zweimal so richtig laut im Rund: Zum ersten Mal, als der Schiedsrichter berechtigter Weise auf den ominösen Punkt zeigte, und zum zweiten Mal, als Andre Lima den verhängten Strafstoß auch souverän verwandelte.
Das kulinarische Angebot beschränkte sich auf Cola, Limo, alkoholfreies Bier, Chips und Hot Dogs, weshalb ich es in der Pause vorzog, kurz mit einigen Ordnern und Arbeitern das Stadion zu verlassen, um nach einem echten Bier vom Kiosk pünktlich zu Halbzeit zwei wieder zurückzukehren. Die Heimfans zeigten dabei abermals die großen Schwenker und ich machte mich auf zur Fotorunde, auf welcher ich immerhin rund zwei Drittel des Stadions erreichen konnte. Auf dem Feld mühte sich die dritte Kraft aus Rio vergebens um den Ausgleich – die beste Chance vergab man rund zehn Minuten vor Schluss durch einen Freistoß an die Latte und den folgenden Nachschuss in den Abendhimmel. Trotz einer sehr harten gelbroten Karte gegen Santo Andre 20 Minuten vor dem Ende verteidigten die Gäste den Vorsprung ohne große Mühe.
Mit dem Schlusspfiff verließ ich rasch das Stadion und ließ mich mit der Masse in Richtung der Schnellbahn treiben, um nach unkomplizierter Rückfahrt etwa eine Stunde später müde, aber mit dem Länderpunkt in der Tasche, ins harte Hostelbett zu fallen und endlich ein paar Stunden Schlaf zu finden.






























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