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FC Concordia Basel - FC St. Gallen  0:1 (0:0)

  am 18.05.2009, Rankhof, Schweiz, Challenge League, 3.050 Zuschauer  


Da sich kurzfristig ein beruflicher Abstecher ins Ländle ergeben hatte, wurden natürlich sofort die Ansetzungen der Schweizer Liga unter die Lupe genommen. Dabei entdeckte ich dann, dass der FC aus St. Gallen an diesem Montag den Wideraufstieg in die erste Liga mit einem Auswärtssieg in Basel gegen die dortige Concordia endgültig fixieren konnte. Meine Entscheidung, diesem Spiel beizuwohnen, war somit gefallen.
So machte ich mich schon frühmorgens auf in Richtung Westen, um die beruflichen Verpflichtungen schnellstmöglich hinter mich zu bringen, womit einer frühen Abreise ins gut 200 Kilometer entfernte Basel nichts mehr im Weg stehen sollte. Dies gelang jedoch mehr schlecht als recht, und so überquerte ich erst kurz nach 18 Uhr die Grenze in Diepoldsau. Normalerweise sollten 200 Kilometer in zwei Stunden kein Problem darstellen, doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schon kurz nach dem Auffahren auf die Autobahn der erste Stau, welcher wertvolle Zeit kostete. Da das Strafniveau in der Schweiz bereits für minimale Geschwindigkeitsüberschreitungen enorm hoch ist, ging es - ein Auge permanent auf das Tachometer gerichtet - weiter in Richtung Basel. In Zürich dann das nächste Mal kompletter Stillstand auf allen Spuren und wieder verrannen die Minuten. Aber was solls: Genau schauen, hoffen kein Radar zu übersehen und mit Bleifuß weiter, denn schließlich hatte ich ja nicht vor, erst nach Abpfiff anzukommen. Als ich letztendlich in Basel landete, waren es laut Navi nur noch zwei Kilometer bis zum Ground. Zahlreiche Umleitungen wegen Baustellen und dem stattfindendem Match ließen den Tacho am Ende jedoch zwölf Kilometer anzeigen, als ich das Auto auf dem nächsten freien Parkplatz abgestellt hatte.
Zu Fuß gings die letzten Meter zum Stadion und am Eingang zum Gästesektor teilte mir der Security dann mit, dass alle Kassen geschlossen seien. Er bot mir aber zugleich an, mich für zehn Franken auch so ins Stadioninnere zu lassen. Das Problem bei der Sache: Ich hatte zum einen kein Geld gewechselt und wollte zum anderen diesen Hohlkopf nicht bestechen. Also Plan B ausgepackt und ihm glaubhaft versichert, ein Sportreporter aus Wien zu sein und nur wegen diesem Spiel die 1.000 Kilometer lange Reise auf mich genommen zu haben. Nach kurzem Funkverkehr kaufte er mir dies auch ab und etwa 30 Minuten nach Anstoß war ich endlich im Inneren des Rankhofs angekommen.
Das gut 7.500 Zuschauer fassende Stadion, bei dem der Zuschauerrekord bei weit über 30.000 (!) liegen soll, war an diesem Abend nur sehr spärlich gefüllt. Die offiziell bekannt gegebene Zuschauerzahl von knapp über 3.000 halte ich schon für eher übertrieben, da das Stadion optisch - mit Ausnahme des von provisorisch errichteten und von Baustellenzäunen umringten Auswärtssektors - doch recht leer wirkte. Akustisch wie auch optisch wusste die aus St. Gallen angereiste Meute durchwegs zu überzeugen. Dauersupport, der Block ständig in Bewegung und auch Stoff wurde massig in den Abendhimmel gesteckt. Ein ganz anderes Bild auf Seiten von Concordia Basel. Niemand im ziemlich schütter gefüllten Heimsektor machte auch nur den Anschein, etwas mit dem Begriff „Support“ anfangen zu können, und so sah man nicht einmal einen Concordia Schal an diesem Abend. Auch auf der überdachten, neutralen Haupttribüne war die klare Mehrzahl eher dem FC St. Gallen als den Heimischen aus Basel zugetan. So kam es mehrfach während der gesamten Spielzeit vor, dass der Fanblock von der neutralen Tribüne aus angeheizt wurde und danach richtig gut in Fahrt kam. Auch am Spielfeld hatten klar die Jungs aus der Ostschweiz das Sagen, jedoch konnte in Halbzeit eins keiner die massig vorhandenen Chancen nützen. Ohne Treffer ging es also für die Akteure in die Kabine, während ich einige bekannte Gesichter erblickte, die früher auch des Öfteren im Block West zu Besuch waren. Schließlich pflegen wir ja auf Einzelpersonenbasis immer wieder ganz nette Kontakte mit den Jungs aus St. Gallen. Bei diesen Gesprächen erfuhr ich auch, dass einer unserer Bekannten noch weitere eineinhalb Jahre seines dreijährigen Stadionverbotes durchstehen muss, ehe er wieder ein Spiel seiner Mannschaft bei seinen Freunden in der Kurve mit verfolgen darf. Grund dafür ist in diesem Fall die pure Repression, die auch in der Schweiz längst zu einem essentiellen Problem der aktiven Gruppen geworden ist: Als er auf einer Stadiontoilette aufs Waschbecken stieg, um einen Aufkleber zu entfernen, löste sich dieses und ging zu Bruch! Aufgrund der neuen Schweizer Gesetzeslage ist dieses Missgeschick Grund genug, gegen ihn ein dreijähriges Stadionverbot auszusprechen – A.C.A.B.!
Nachdem alle wichtigen Neuigkeiten privater wie auch kurventechnischer Natur ausgetauscht waren, pfiff der Schiedsrichter auch schon die zweite Halbzeit an. Die St. Gallener Kurve startete mit einem Intro bestehend aus Doppelhaltern und Fahnen in die zweite Hälfte des Spiels. Auch unten am Feld sah man, dass die Jungs den Aufstieg an diesem Tag unbedingt unter Dach und Fach bringen wollten, woraus sich ein Sturmlauf aufs Basler Tor entwickelte. Rund eine Viertelstunde vor Spielende war es dann so weit und das Tornetz hinter dem Concordiakeeper bauschte sich. Binnen Bruchteilen einer Sekunde waren die provisorisch errichteten Gitter nicht mehr zu sehen, der Fanblock war nur noch durch die etwa hüfthohen Werbebanden vom Spielfeld getrennt, legte jedoch so viel Vernunft an den Tag selbiges nicht zu betreten und eine sinnlose Zwangsverifikation zu provozieren. Trotz allem lief der heimische Sicherheitsdienst auf, um gegebenenfalls ein Stürmen des Spielfeldes zu verhindern. Zu diesem Zeitpunkt war auch die erste Pyroshow an diesem Tag zu bewundern, bei der rund 15 rote Bengalen im Block gezündet wurden, was in Verbindung mit Fahnen und Doppelhalter ein gutes Bild abgab. Am Feld drängte der FC St. Gallen darauf, den Sack mit einem weiteren Tor endgültig zuzumachen, das jedoch bis zum Schluss nicht gelingen wollte. Kurz vor Abpfiff gabs eine weitere Pyroeinlage - diesmal in etwas größerem Rahmen als jene eine Viertelstunde zuvor. Bei Abpfiff überwanden die ersten Personen die Werbebanden, um den Aufstieg gebührend zu feiern, worauf sich die mit Schlagstöcken und Pfefferspray ausgerüsteten Securitys sofort auf die Verfolgung machten. Umso einfacher war es für die noch im Block befindlichen Personen, ebenfalls das Feld zu betreten. Als sich schon eine riesige Menschentraube vor dem Eingang zur Spielerkabine gebildet hatte, erkannte auch der Sicherheitsdienst die Sinnlosigkeit seines Unterfangens und ließ die Leute endlich gemütlich abfeiern.
Die Einladung, der Aufstiegsparty in St. Gallen weit nach Mitternacht beizuwohnen, schlug ich, aufgrund der noch anstehenden beruflichen Verpflichtungen, dankend aus und machte mich auf den Rückweg in Richtung meines Hotels, welches ich nach ziemlich ereignisloser Fahrt auch gegen ein Uhr nachts wieder erreichte.
Trotz der mühsamen Anreise hat sich die Tour zum Match wirklich gelohnt und abschließend sollen auch Grüße und Gratulationen zum Aufstieg an die Szene aus St. Gallen nicht fehlen.




















































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