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Roter Stern Belgrad - Bolton Wanderers  0:1 (0:1)

  am 06.12.2007, Stadion Marakana, Serbien, UEFA Cup, 35.000 Zuschauer  



Am Weg zu unserem Eingang traf man außer einem Großaufgebot an Spezialbullen auch einige gut gebaute und gekleidete Herren. Obwohl es während des gesamten Abends diesbezüglich ruhig blieb, kann man sich anhand des gesehenen Potentials gut vorstellen, was hier möglich ist, wenn nur jemand will. In unmittelbarer Stadionnähe gabs schließlich sogar Alkoholverbot, weshalb man dann doch recht zeitig das Stadion betrat. Wohltuende Abwechslung zu den neuen Einheitsstadien hierzulande und im Rest Europas bietet der Bau, der von den Serben liebevoll „Marakana“ genannt wird. Alleine schon die Topographie (das Stadion ist quasi in einen Hügel hingebaut) sorgt für frische Einzigartigkeit.
Obwohl es sich um einen „All-Seater“ mit Laufbahn handelt, strahlt dieser Ground ein ganz besonderes Flair aus. Über 50.000 passen hier rein, und etwa zwei Drittel der aufgelegten Tickets wurden auch an den Mann gebracht. Überall dominieren die roten Vereinsfarben und die geschwungene Dachkonstruktion ist nicht nur der Akustik förderlich, sondern auch optisch ein Genuss. Unser Platz war eigentlich im Sektor neben jenem, der für die britischen Gäste reserviert war, aber da man diesen als Pufferzone frei ließ, gingen wir weiter rüber in Richtung der großen Anzeigetafel. Nach und nach wurde es hier und auch gegenüber sehr voll, während die überteuerten Plätze an der Längsseite etwa zur Hälfte frei blieben.
Gegenüber war der harte Kern von Crvena Zvezda postiert, die größten Zaunflaggen gabs von den „Belgrad Boys“ den „Brigate“ und den Ultra Boys. Mit extrem lauten Stakkatorufen, ersten Liedern und beeindruckenden Schalparaden machte man schnell klar, wer hier tonangebend sein würde. Auch den Gegner würdigte man mit dem immer wieder skandierten „Fuck you, Bolton!“ Dieser war aber die Aufmerksamkeit kaum wert. Etwa 300 bis 400 Briten waren gekommen, aber bis auf zwei Versuche, die Hymne zu intonieren und seltene Schlachtrufe, waren diese kaum zu vernehmen. Es schien sich bei dieser Gruppe hauptsächlich um Familien zu handeln. Auf Seiten der Serben kam es immer wieder zu Wechselgesängen, bei denen der Rest des Stadions, vor allem „unser Block“, brav mitging.
Das Spiel konnte mit der durchwegs guten Stimmung in Halbzeit eins leider nicht mithalten, und nachdem Red Star zwei Halbchancen ungenutzt ließ, kam Bolton nach einem Gestocher im Strafraum zum glücklichen 1:0. Obwohl die Heimfans nicht aufgaben, konnte die Mannschaft nichts mehr zulegen, und da sich die Engländer recht gut auf das Verwalten des knappen Vorsprungs verstanden, blieb es beim Auswärtssieg, welcher die Serben aller Chancen auf den Aufstieg beraubte. Im Heimblock hatte man zwischenzeitlich mittels Spruchband und Sprechchor deutlich gemacht, dass der Kosovo serbisch zu bleiben hatte. Eine Meinung, der sich auch der Rest des Stadions vorbehaltlos anschloss. In Ermangelung öffentlichen Verkehrs, der durch die auf der Hauptverkehrsstraße (!) abwandernden Massen völlig zum Erliegen kam, gings per Pedes retour zum (Bus)Bahnhof, von wo aus man um 01.00 Uhr früh nach erfolgtem Proviantkauf die beschwerliche Bustour nach Skopje antrat.
Der Bus war nicht nur eng und bis auf den letzten Platz voll, sondern auch überheizt und feucht. Sturzbäche von Wasser bildeten sich an den angelaufenen Scheiben, und auch die Windschutzscheibe musste vom Fahrer immer wieder mit einem Handtuch gesäubert werden. Dazu Straßen von minderer Qualität und penetranter Gestank. Die unregelmäßigen Haltestellen und ständig läutende Mobiltelefone sorgten zudem dafür, dass wir bis zur Ankunft in Skopje kaum Schaf fanden. Immerhin wurde die Jugendherberge relativ schnell ausgemacht und es gab auch recht anständige freie Zimmer. Einzig das Wasser war nach einem Rohrbruch abgestellt, weshalb wir uns zum Bahnhof aufmachten, um die Zugkarten für den Folgetag zu besorgen und eventuelle Spielansetzungen auszumachen. Doch weder Zeitungen noch Verbandsangehörige beim Nationalstadion wussten Bescheid, ehe uns der Präsident des Zweitligisten Jugomagnat die traurige Gewissheit gab, dass es entgegen diverser Internetquellen heute kein Spiel in Skopje geben würde. Enttäuscht nahm man die Kunde, dass dieser Länderpunkt verschoben werden musste, zur Kenntnis und drehte eine weite Runde durch die Stadt, welche unglaubliche Eindrücke hinterließ. Nirgends hatte ich zuvor eine derartige Nähe von Globalisierung und Reichtum zu bitterster Armut gesehen. Auf der einen Seite teure Autos und allerorts Handywerbungen und nur wenige Meter entfernt Slums wie in Brasilien und Zigeunermärkte, auf denen Dinge feilgeboten wurden, die man bei uns schon vor mehr als 20 Jahren entsorgt hätte. Den Nachmittag und Abend nutzte man dann zu einem Essen in einem hervorragenden Lokal und zur längst fälligen Körperpflege. Nach einer Besichtigung der Fußgängerzone hieß es dann auch für mich, wie zuvor schon für den Rest der Bande, den Abend und die Nacht mit TV und Teletext zu verbringen und etwas Schlaf aufzuholen.
Am kommenden Morgen gings zurück zum Zug und mit der scheinbar üblichen Verspätung von einer guten Stunde fuhr man weiter nach Griechenland. Die Zugfahrt war recht kurzweilig, da uns der mazedonische Schaffner auf deutsch (!) mit einigen Witzen unterhielt. Gegen Mittag kam man dann in Thessaloniki an, wo uns die nette Bahnbeamtin den internationalen Schalter vor den Augen schloss und meinte, sie sei erst nach 16.00 Uhr wieder da. Also erst mal zum Stadion von PAOK, wo man erfuhr, dass das heutige Erstligaspiel nicht schon um 14.45 sondern erst um 16.45 stattfinden würde. Kurze Stadionbesichtigung von außen, Proviantkauf und dann rüber zum „Nachbarn“ Iraklis, wo man noch etwa zehn Minuten der B-Elf gegen PAO sah. Außerdem gabs ein interessantes Gespräch mit dem technischen Direktor des Verbandes – nicht der einzige hier, der sehr gut deutsch sprach. Noch schnell ein Souvlakispießchen und ein, zwei Biere und dann rein ins Vergnügen der griechischen Liga.
































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